Noch zwei Mal EM-Silber für Erbach
Nachdem Manju Oberle ein paar Tage zuvor bereits Europameisterin geworden war [BERICHT], waren die Kämpfer*innen der Altersklassen U16 und U18 des Judo-Clubs Erbach an der Reihe und zeigten allesamt großartige Leistungen.
In der U16 kämpften am 19. März Fabian Buffleb (bis 44 kg), Maria Erbach (bis 52 kg) und Francesca Nistor (bis 57 kg). Am Freitag, dem 20. März, trat Valentin Tran (bis 62 kg) in der U18 an
(V.l.): Valentin Tran, Fabian Buffleb, Maria Erbach und Francesca Nistor
Maria Erbach startete gegen Stefania Galan aus Rumänien in das Turnier. Sie kam gut an, wirkte sehr wach und motiviert und siegte nach knapp zwei Minuten durch technisches K.o.
In der nächsten Runde stand sie der Österreicherin Lisa Paulsen gegenüber. Der Kampf begann mit einem Schockmoment, denn Maria wurde schon nach wenigen Sekunden wegen einer verbotenen Technik zum Kopf mit einem Chui verwarnt (drei Punkte für die Gegnerin). Doch Maria ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern kämpfte weiter ruhig und überlegt. Es gelang ihr, den Rückstand aufzuholen, und sie siegte schließlich durch eine gut angesetzte Würgetechnik und einen guten Wurf sogar noch durch technisches K. o. Somit zog sie ins Halbfinale ein.
Hier wartete die Französin Maina Mendy. Gegen sie hatte Maria bislang die größten Probleme. Zwar waren die beiden im Schlag- und Trittbereich ungefähr gleichauf, doch im Wurfbereich war Maria ihr deutlich unterlegen. Die Französin wirkte einfach griffiger und warf Maria mehrmals. Umso wichtiger war deshalb Marias Handlungsschnelligkeit am Boden. Zweimal setzte Maria eine Aufgabetechnik an und konnte somit sechs Punkte sammeln. Damit konnte Maria knapp, aber letztendlich verdient mit 20:17 gewinnen.
Nun ging es im Finale gegen Katerina Kiseva aus Bulgarien. Der Kampf begann nicht gut: Schon in den ersten Aktionen war Maria nicht energisch genug und geriet so in einen deutlichen Rückstand. Auch in Part 2 konnte sie im mittlerweile vierten Kampf nicht mehr die notwendige Kraft für einen guten Wurf aufbringen. Trotzdem blieb Maria dran, gab sich nicht auf und hatte bis zum Ende Chancen auf den Sieg, da ihr in Part 3 zwischenzeitlich ein Ippon gelang. Leider gelang es ihr nicht und sie verlor mit 9:20.
Auch wenn es nicht für den Titel gereicht hat, ist der zweite Platz bei den Europameisterschaften ein grandioses Ergebnis.
In ihrem ersten Kampf traf Francesca Nistor auf die Griechin Andriana Tsirila. Die beiden schenkten sich nichts und der Kampf war sehr intensiv. Es gab häufig längere Schlagabtausche, bei denen Francesca stets die Nase vorn hatte und knapp in Führung ging. Später gelang es ihr, ihre Gegnerin nach einem Ringen am Boden zu kontrollieren und schließlich auf Ippon zu werfen. Somit zog Francesca durch technisches K. o. in die nächste Runde ein.
Hier traf sie auf Marilu Rizza aus Italien. Die beiden waren sich in Part 1 ebenbürtig und sammelten fleißig Punkte. Auch im Wurfbereich lieferten sie sich einen hitzigen Kampf, doch Francesca gelang es, alle Wurfversuche der Italienerin abzuwehren und sie anschließend am Boden festzuhalten. Da sich dieser Ablauf drei Mal wiederholte, konnte Francesca Stück für Stück weiter in Führung gehen und gewann schließlich mit 20:11.
Somit stand Francesca im Halbfinale.
Dort traf sie auf Anja Zdrale aus Bosnien und Herzegowina. Francesca baute sich schnell durch gezielte Fauststöße einen deutlichen Punktevorsprung auf und führte schon nach 30 Sekunden mit 10 Punkten. Es gelang ihr auch, ihre Gegnerin auf Ippon zu werfen, doch die Haltetechnik fehlte, um den Kampf vorzeitig zu beenden. Die junge Odenwälderin kämpfte den Rest des Kampfes souverän zu Ende, ließ nichts anbrennen und zog mit einem starken Endergebnis von 25:6 in das Finale der Europameisterschaften ein.
Dies galt es gegen Dimitra Skouteri aus Griechenland zu bestreiten. In Part 1 gelang es Francesca, einige Punkte zu sammeln und mit ihrer Gegnerin mitzuhalten. In Part 2 hatte sie jedoch sichtliche Probleme mit dem Übergriff ihrer Gegnerin und konnte kein Konzept dagegen entwickeln. Sie wurde zweimal geworfen und konnte die Haltetechnik der Griechin schließlich nicht mehr abwenden. Somit unterlag sie.
Somit wurde Francesca Vize-Europameisterin, ein großartiges Ergebnis in einem harten Teilnehmerfeld.
Fabian Buffleb begann sein erstes internationales Turnier gegen den Griechen Nikolaos Kakepis. Der Kampf war die meiste Zeit recht ausgeglichen und blieb es bin zum Ende. Vor allem die sehr hektische Kampfweise des Griechen machte Fabian zu schaffen und er war in Part 1 oft ein bisschen zu langsam. Trotzdem biss er sich fest und schaffte mit einem guten Wurf den entscheidenden Part 2 Ippon zu erlangen, der ihn beim Endergebnis von 15:15 durch die Unterbewertung zum Sieger machte.
In der nächsten Runde hatte er ähnliche Probleme gegen Dusan Kusmuk aus Bosnien und Herzegowina. Dieser hatte zuvor ein Freilos erhalten und war somit frischer als Fabian. Auch hier war er in Part 1 immer ein kleines bisschen zu langsam und konnte keine Dominanz auf die Matte bringen. Trotzdem bewies Fabian Moral, hielt den Kampf durchgehend spannend und verlor am Ende knapp mit 16:20.
Somit blieb ihm nur die Trostrunde. Dort traf er auf den Rumänen Iustin Stefan Nazarie. Fabian verschlief leider die ersten Aktionen und war zu langsam. Mit der Zeit kam er jedoch immer besser im Kampf an, setzte vor allem gute Fußstöße ein, um die Angriffe des Rumänen zu stoppen, und gewann schließlich mit 17:11.
Doch diese Stärke wurde ihm im folgenden Kampf gegen Vlad Moisei aus Rumänien zum Verhängnis. Nach etwa der Hälfte der Kampfzeit setzte Fabian zwei Fußstöße gegen den Hals seines Gegners und wurde hierfür disqualifiziert. Somit blieb es für Fabian bei Platz 7, was dennoch ein akzeptables Ergebnis darstellt.
Der letzte Erbacher, der bei einer EM startete, war Valentin Tran. Sein erster Kampf ging gegen Andrej Minic aus Bosnien und Herzegowina. Er startete gut, hatte jedoch zunächst noch leichte Probleme mit den schnellen Aktionen seines Gegners.
Dies störte Valentin nicht, stattdessen warf er seinen Gegner auf Ippon und konnte den Kampf nach etwas mehr als einer Minute durch technische Überlegenheit gewinnen.
In der nächsten Runde folgte Riccardo Viterbo aus Italien als Gegner. Der Kampf verlief lange auf Augenhöhe, allerdings mit leichten Nachteilen für den Erbacher. Unter dem Druck, den Rückstand aufzuholen, unterliefen Valentin zwei Aktionen, die von den Kampfrichtern als verbotene Techniken eingestuft wurden.
Diese beiden Chui bedeuteten die Niederlage für Valentin.
In der Trostrunde traf Valentin zunächst auf seinen Nationalmannschaftskollegen Alexander Arendt. Valentin agierte teils fahrig. Zwar ließ er in bestimmten Situationen seine Qualität aufblitzen, beispielsweise mit einem perfekt getimten Wurf aus dem Übergang, er ließ jedoch den Deutschen in einer anderen Situation leichtfertig aus der Haltetechnik entkommen. Valentin verlor schließlich knapp mit 14:15. Der Rückstand war erst entstanden, als er sich durch Sprechen auf der Matte einen Chui eingefangen hatte. Somit landete Valentin auf Platz 9. Dieses Ergebnis ist zwar nicht schlecht, aufgrund seines hohen Potenzials fühlt es sich für Valentin jedoch enttäuschend an.
Die Ergebnisse der Erbacher können sich jedoch allemal sehen lassen. Dass drei von fünf Athlet*innen bei der Europameisterschaft Medaillen gewinnen würden, hatte sich vorher niemand erträumt. Vor allem Manju Oberle stach mit ihrem Titel erneut positiv heraus. Doch es waren vor allem die Leistungen der U16-Athlet*innen, die Lust auf mehr machten und eine rosige Zukunft für die Erbacher erkennen lassen.
Die Bilder in diesem Artikel stammen von Elsa Braun.
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