Vom 22. bis zum 25. Oktober 2026 fanden in Halle (Saale) die German Open im Ju-Jutsu Fighting statt. Vom Judo-Club Erbach reisten 14 Athlet*innen nach Sachsen-Anhalt und konnten sich allesamt im internationalen Teilnehmerfeld beweisen und einige Medaillen mit in den Odenwald bringen. Den Auftakt legten am Donnerstag (24.10.) die U16-Kämpfer*innen des Vereins hin. Dies waren Ziva Peters (-52 kg), Julian Wilczek (-52 kg), Maria Erbach (-57 kg) und Francesca Nistor (-57 kg).
Julian konnte in seinem ersten Kampf noch nicht sein gesamtes Können abrufen. Auch wenn er sich engagiert zeigte, unterlag er dem spanischen Kontrahenten. Besser lief es für ihn im ersten Kampf der Trostrunde gegen einen Belgier. Diesen bezwang Julian stark und konnte in seinem letzten Kampf noch immer auf eine Medaille hoffen. Hier ging es gegen einen Deutschen aus Schleswig-Holstein. Leider hatte Julian hier wieder das Nachsehen und kam nach einem knappen Kampf auf einen guten 5. Platz.
Ziva Peters vor dem Kampf
Zivas erste Gegnerin kam aus dem Vereinigten Königreich. Beide waren sich lange ebenbürtig, doch musste sich am Ende gegen die spätere Zweitplatzierte geschlagen geben. Danach ging es gegen eine deutsche Athletin. Auch diese waren die meiste Zeit auf Augenhöhe. Hier gab es jedoch das glücklichere Ende für Ziva und sie zog in die nächste Runde der Trostrunde ein. Hier ging es gegen eine weitere Britin. Die Erbacherin trat dominant auf und siegte vorzeitig durch technisches K.O. In ihrem letzten Kampf, diesmal gegen eine Österreicherin, hatte sie größere Probleme und unterlag. Somit ein guter Platz 5 für Ziva.
Maria gelang ein guter Start in das Turnier. Sie setzte sich durch technisches K.O. gegen eine Belgierin durch, doch im nächsten Kampf gegen eine Ju-Jutsuka aus Hamburg fand sie nicht so recht in die Spur, gab viele Punkte unnötig ab und verlor mit 12:15. Marias letzter Kampf war gegen eine Britin. Hier lief es wieder besser für die Odenwälderin und sie gewann durch einen überzeugenden Sieg die Bronzemedaille.
Francesca, die in derselben Gewichtsklasse, jedoch auf der anderen Seite des Pools, antrat, setzte mit ihrem Sieg durch technisches K.O. gegen eine Dänin ein deutliches Zeichen. Und auch ihr nächster Kampf gegen eine bayrische Kämpferin endete vorzeitig zu ihren Gunsten. Es folgte der Halbfinalkampf, dieses Mal gegen eine Griechin. Hier war Francesca erneut klar besser und gewann deutlich mit 21:11 und zog ins Finale ein. Auch hier machte die Bundeskaderathletin vom JC Erbach kurzen Prozess mit ihrer Kontrahentin und holte verdient die Goldmedaille bei den German Open.
Am Freitag (23.10.) folgten die U18-Kämpfer*innen. Vom JC Erbach kämpften Valentin Tran, Phil Rohde (beide -62 kg), Til Patschull (-77 kg) und Lotte Warias (-70 kg).
Til startete voller Energie in seinen ersten Kampf gegen einen Italiener und gewann vor Ablauf der Kampfzeit durch technische Überlegenheit. Danach traf er im Halbfinale auf den amtierenden Vizeeuropameister aus Deutschland. Til kämpfte lange auf Augenhöhe und konnte die Punktetafel ausgeglichen halten. Doch am Ende gab er leichtsinnig Punkte ab und verlor. Im folgenden Kampf um Platz 3 zeigte er die bislang schwächste Leistung gegen einen weiteren Deutschen und verschlief die ersten zwei Minuten des dreiminütigen Kampfes. Erst gegen Ende fand er wieder in die Spur und startete eine starke Aufholjagd, die ärgerlicherweise nicht belohnt wurde. Somit knapp an der Medaille vorbei, Platz 5 für Til.
Phil hatte es im ersten Kampf mit einem Rumänen zu tun, der es ihm recht schwer machte. Phil unterlag. In der nächsten Runde traf er auf den amtierenden Deutschen Meister der Gewichtsklasse. Auch wenn Phil es über Strecken gut machte, zog er auch hier den Kürzeren und schied aus. Somit Platz 9 für ihn.
Valentin marschierte stark durch den Turnierbaum hindurch. Nach einem Freilos im Achtelfinale siegte er sowohl im Viertelfinale (Spanien) als auch im Halbfinale (Rumänien) auf technisch anspruchsvolle Weise vorzeitig durch technische Überlegenheit. Im folgenden Finale traf er auf einen Spanier, der ebenfalls alle Kämpfe überzeugend gewonnen hatte. Es entwickelte sich ein spannendes Duell, das leider mit 5:7 zu Ungunsten Valentins verloren ging. Somit die Silbermedaille für den Erbacher.
Lotte trat im Doppel-Pool-System an und hatte es zunächst mit einer Kämpferin aus Thüringen zu tun. Gleich zu Beginn wurde sie wegen einer unerlaubten Technik mit Chui verwarnt. Anschließend machte sie es besser und fand besser in den Kampf, doch erhielt später einen weiteren Chui und wurde disqualifiziert. Danach ging es gegen eine Griechin. Auch hier hatte Lotte, die, wie auch viele weitere Erbacher, ihr erstes international besetztes Turnier kämpfte, Probleme, ihre Qualitäten vollständig auf die Matte zu bekommen, und verlor mit 6:18. Somit Platz 5 für Lotte.
Am Samstag ging es mit der U21 stark weiter. Auch hier waren vier Erbacher mit dabei; es kämpften Johannes Laun, Mario Stefan (beide -77 kg), Tobias Mück (-85 kg) und Leany Rohde (+70 kg).
Leany hatte durch ein unglückliches Los direkt die spätere deutsche Turniersiegerin vor der Brust. Sie hielt gut mit, unterlag jedoch. Und auch in der folgenden Trostrunde hatte es die Erbacherin schwer, ging es doch gegen die amtierende Deutsche Meisterin. Hier steigerte sich Leany, konnte die Niederlage jedoch leider nicht mehr abwenden. Somit landete sie auf dem 7. Rang.
Tobias Mück wirft seinen Gegner spektakulär
Mario startete fulminant in das Geschehen ein und siegte vorzeitig durch technische Überlegenheit gegen einen Griechen. Doch leider ließ sich die Energie dieses starken Sieges nicht auf die nächsten Kämpfe übertragen. Im Viertelfinale traf er auf einen Dänen und verletzte sich unglücklich. Zunächst konnte er den Kampf noch weiterführen (12:22), konnte danach jedoch nicht mehr weitermachen und beendete das Turnier als Neunter.
Auch Vereinskollege Johannes überzeugte zu Beginn. Er gewann vorzeitig durch technische Überlegenheit gegen einen Rumänen, der darüber hinaus noch amtierender U18-Weltmeister ist. Danach traf er auf einen Ungarn. Die beiden bewegten sich auf Augenhöhe, doch unglücklicherweise hatte Johannes während des Kampfes zu viele Strafpunkte angesammelt, was schlussendlich zu seiner Niederlage führte. Der Ungar gewann im Anschluss auch das Finale, während der Erbacher es mit einem anderen Griechen zu tun bekam. Auch hier zeigte Johannes seine Widerstandsfähigkeit und sammelte zahlreiche Punkte. Am Ende entwickelte sich eine wahre Zitterpartie, in der Johannes den entscheidenden Stich leider nicht mehr setzen konnte und mit 9:13 unterlag. Er wurde Fünfter.
Somit ruhte die letzte Medaillenhoffnung des Wettkampftages auf Tobias’ Schultern. Und früh zeigte sich, dass es gut laufen könnte. Denn bereits im ersten Kampf gegen einen Deutschen aus Bayern trat er dominant auf und holte sich den Sieg durch technisches K.O. Und auch der nächste Kampf gegen einen Niederländer verlief erfolgreich und Tobias siegte erneut. Komplizierter wurde es erst in seinem letzten Kampf gegen einen weiteren Athleten aus den Niederlanden. Die beiden Großgewachsenen schenkten sich nichts und lieferten sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen, sodass es nach Ablauf von 3 Minuten unentschieden stand. So musste die Verlängerung die Entscheidung bringen, wo die Kondition Tobias langsam verließ und er mit 16:19 verlor. Doch da sein Kontrahent ebenfalls einen Kampf zuvor abgegeben hatte, reichte es durch Tobias’ bessere Unterbewertung für die Goldmedaille.
Am Sonntag (25.10.) ging es zum Abschluss in der Erwachsenenklasse noch für Manju Oberle (-63 kg) und Nikas Manschitz (-62 kg) auf die Matte, obwohl beide eigentlich noch in der U21 startberechtigt gewesen wären.
Nikas traf in seinem ersten Kampf auf einen Franzosen. Nach einem anfänglichen Abtasten zeigte Nikas seine Qualitäten und siegte vorzeitig durch technisches K.O. Danach ging es gegen ein Mitglied des deutschen Bundeskaders. Nikas Zögerlichkeit wurde ihm punktemäßig zunächst ein wenig zum Verhängnis, doch mit der Zeit wurde er deutlich präziser, härter und konnte sich so verdient durchsetzen, was den Finaleinzug bedeutete. Hier ging es gegen einen belgischen Ju-Jutsu Kämpfer. Beide kämpften überwiegend auf Augenhöhe, schenkten sich nichts und lieferten ein spannendes Duell. Am Ende entschieden Kleinigkeiten so, dass es für einen Erbacher Sieg nicht reicht. Somit die Silbermedaille für Nikas.
Auch Manju gelang ein guter Start in das Turnier. Sie war direkt im ersten Duell gegen eine Niederländerin siegreich durch technisches K.O. Im Anschluss traf sie auf eine Italienerin. Hier machte sie in Part 1 ihre Sache durchaus solide, hatte jedoch im Wurfbereich keinen Erfolg mit ihren Ansätzen. Die Aktionen der letzten Sekunden brachten die Entscheidung, Manju unterlag mit 6:10. Probleme gleicher Art setzten sich leider im nächsten Kampf durch. Auch hier wurden kurz vor Kampfende einige 50:50-Entscheidungen zu Ungunsten Manjus gefällt und sie verlor mit 6:9. Somit der 7. Platz für Manju.
Die Ergebnisse des Judo-Club Erbach lassen sich als insgesamt gut einordnen. Zwei Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille – dazu noch ein weiterer 3. Platz für den aus Erbach stammenden, jedoch weggezogenen Adrian Coriou (U18, -85 kg) – das Ergebnis lässt sich durchaus sehen. Einzig die Niederlagen in mehreren Kämpfen um Platz 3 lassen sich als ärgerlich bezeichnen. Doch dadurch gibt es für die Erbacher Sportler*innen und das Trainerteam rund um Jochen Keßler, Carina Oberle und Hessens Nachwuchstrainer des Jahres Georg Keßler noch Potenzial für Wachstum und Verbesserungen.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden vom Deutschen Ju-Jutsu Verband zur Verfügung gestellt.
Fotografen: Elsa Braun, Theodor Klotz, Christian Zink